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Badische Zeitung, 5. Dezember
2001
Schauspielern kann jeder
Ein 15stündiger Workshop
mit dem künstlerischen Leiter des Deutschen Theaters Almaty
LAHR. Schauspielen ist gar nicht so schwer.
Jeder kann es lernen so lautete das Motto des Theaterworkshops
am Wochenende. Teilnehmen konnte folglich praktisch jeder. Es wurden
keine Vorkenntnisse vorausgesetzt und es gab auch keine Altersbeschränkungen.
Trotzdem hatte der Kurs ein hohes Niveau, da Kulturamtsleiter Gottfried
Berger den künstlerischen Leiter des Deutschen Theaters Almaty
(DTA) engagiert hatte. Durch Zuschüsse des Kulturamtes konnte
der rund 15-stündige Kurs zu einem sehr erschwinglichen, für
Jugendliche sogar noch ermäßigten Preis angeboten werden.
Insgesamt nahmen zehn Theaterinteressierte zwischen 13 und 39 Jahren
daran teil. Für einige von ihnen war der Schauspiellehrer,
der sich schlicht Freitag nennt, kein Unbekannter. Einerseits, weil
er vor einem Jahr schon einmal einen Workshop in Lahr geleitet hat.
Andererseits, weil er mit dem DTA am Samstag vor einer Woche im
Schlachthof mit dem Stück Lügner viel Beifall
geerntet hat (BZ berichtete).
Am Freitag abend ging es los: Alle sollten sich im Kreis aufstellen
und erst einmal reihum nachmachen, was der Schauspiellehrer ihnen
vormachte. Er klatschte, schnippte mit den Fingern oder stampfte
rhythmisch mit dem Fuß auf und bat seine Schüler, nacheinander
das gleiche zu tun, ohne den vorgegebenen Takt zu unterbrechen.
Dadurch entstand schnell ein Gefühl der Gruppenzusammengehörigkeit,
das durch die folgende Übung noch verstärkt wurde: Man
sollte mit zunehmender Geschwindigkeit jemandem aus der Runde einen
fiktiven Ball zuwerfen, dabei seinen Namen sagen und ihm fest in
die Augen sehen. Sekundenschnell prägten sich die Teilnehmer
dadurch nicht nur alle Namen ein, sondern sollten auch Folgendes
beherzigen: Es ist wichtig, sich konkret an ein Gegenüber
zu wenden, präzise zu sein, nur dann wird man auch als Schauspieler
wahrgenommen, so Freitag, der gerne Prinzipien der russischen
und der europäischen Schauspielschule verbindet.
Danach wurde den Profis auf die Finger geguckt. Anhand
von zwei Filmszenen aus mitgebrachten Videofilmen der Schüler
sollte gutes und schlechtes Schauspiel festgemacht werden. Das positive
Beispiel stammte aus dem Film Ein Herz im Winter von
dem französischen Regisseur Claude Sautet. Eine Frau (Emannuelle
Béart) macht einem Mann (Daniel Auteuil) eine Liebeserklärung
und wird von ihm abgewiesen. Die Kursteilnehmer sollten darauf achten,
wie glaubwürdig und stimmig die Szene ist. Als Negativbeispiel
stand Der Mann mit der eisernen Maske auf dem Programm.
Trotz der Stars sorgten einzelne Szenen bei den Anwesenden für
schallendes Gelächter. Es wurde analysiert, warum beispielsweise
John Malkovich auf unfreiwillig komische Weise erstochen wurde,
Leonardo Dicaprio als feudaler König so unglaubwürdig
war.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollten dann in Übungen umgesetzt
werden. Beispielsweise sollte man von draußen kommend
an wortlos gespielten Szenarien erkennen, was geschieht und
welche Rolle man selbst einnimmt. Einmal sollten sich die Schauspielschüler
in die Rollen von Meisterdieb und blindem Schatzwächter versetzen.
Zunächst durfte der blinde Schatzwächter eine
Augenbinde tragen, später musste er sich mit offenen Augen
wie ein Blinder verhalten. An der Aufmerksamkeit der zusehenden
Kursteilnehmer konnte man ablesen, ob genügend Glaubwürdigkeit
und damit Spannung erzeugt wurde.
Ein wenig traurig verabschiedeten sich die Kursteilnehmer, die
nun Blut geleckt hatten, am Sonntag nachmittag: Noch
steht in den Sternen, ob sich aus dem Kurs eine feste Theatergruppe
machen lässt. Als Integrationsprojekt zwischen Lahrern und
Russlanddeutschen könnte eine solche Theatergruppe subventioniert
werden.
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