Ein Herz im Winter
„Ein Herz im Winter”
“Un Coeur en Hiver” — “A Heart in Winter”
Frankreich 1992 – Regie: Claude Sautet – Musik: Maurice Ravel
 
dpa
 
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dpa, 5. Februar 2002

Ein Herz im Winter

Aus Anlaß der Ausstrahlung am 5. Februar 2002.

Ein Herz im Winter

Hamburg (dpa) — Seit Jahren bilden die beiden Männer ein harmonisch aufeinander eingespieltes Duo, dabei könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Stéphane (Daniel Auteuil) ist ein stiller, introvertierter Geigenbauer, ein versierter Handwerker und besessener Perfektionist, der ganz in seiner Arbeit aufgeht.

Maxime (André Dussollier) dagegen, der elegante Manager und Partner von Stéphane, stellt den Kontakt zu den Kunden her und verkauft die Instrumente. Ihr minutiös ausgependeltes Verhältnis gerät ins Wanken, als Maxime sich in die junge Violinvirtuosin Camille (Emmanuelle Béart) verliebt. Am Dienstagabend läuft um 22.35 Uhr auf 3sat das französische Melodram "Ein Herz im Winter".

Die scheinbar ungetrübte Harmonie der beiden Liebenden lockt Stéphane aus seinem Schneckenhaus heraus. Er, dessen Regungen und Gefühle verschüttet schienen, dessen Herz verwaist war, erkämpft sich die Aufmerksamkeit der Freundin seines Freundes. Als Camille schließlich dem hartnäckigen Werben Stéphanes nachgibt, wird sie von dem Geigenbauer mit der lakonischen Replik "ich liebe Sie nicht" abgefertigt.

Was in der Nacherzählung anmutet wie eine banale Dreiecksgeschichte, entfaltet sich unter der Regie von Claude Sautet ("Die Dinge des Lebens") zu einem raffiniert durchkomponierten Kammerspiel für drei Personen, in dem eben nicht der augenfällig simple Plot, sondern die emotionalen Schwingungen unter der Oberfläche den Rhythmus bestimmen. Sautet, der seit seiner Kindheit von einer Karriere als Komponist geträumt hat, beschreibt seine Ästhetik so. "Ich bin kein Realist, der den Alltag betrachtet. Ich stilisiere gern". Dabei ist "Ein Herz im Winter" keineswegs ein von Verzicht und Entsagung geprägter Problemfilm. Es geht um die konkreten Dinge des Lebens und der Liebe. Bei der Arbeit in der Werkstatt, in den engen Pariser Gassen und immer wieder im Bistro beobachtet die Kamera Stéphane, den traurigen Helden dieser unmöglichen Geschichte.

Er, der zwar die Resonanzböden seine Violinen exakt ausloten, dessen eigenes Innenleben aber nicht mehr in Schwingung gerät, bildet das stille Zentrum dieses wunderbar unspektakulären Films. Stéphanes Drama besteht darin, dass er längst zum Zuschauer seines eigenen Lebens geworden ist.

Vorbild für diese melancholische Figur ist ein Charakter aus Michail Lermontows Novelle "Ein Held unserer Zeit". Der sagt über sich: "Ich habe nie genug: an den Kummer gewöhne ich mich ebenso wie an den Genuss, und mein Leben wird von Tag zu Tag leerer."

Leer sind auch die Tage von Stéphane, dem Geigenbauer mit dem Winter-Herzen, wenn er am Ende allein im Bistro auf einen Frühling wartet, der für ihn nicht anbrechen will.

(Ein Herz im Winter, Frankreich 1992, 99 Minuten, Regie: Claude Sautet, Hauptdarsteller: Emmanuelle Béart, Daniel Auteuil, André Dussollier)

© dpa - Meldung vom 05.02.2002 08:33 Uhr auf WEB.DE
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letzte Änderung: 18.07.2004