Ein Herz im Winter
„Ein Herz im Winter”
“Un Coeur en Hiver” — “A Heart in Winter”
Frankreich 1992 – Regie: Claude Sautet – Musik: Maurice Ravel
 
Der Spiegel
 
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Der Spiegel, Nr. 40/1993 vom 4. Oktober 1993, Seite 259

Duo mit Dame

„Ein Herz im Winter”. Spielfilm von Claude Sautet. Frankreich 1992.

Die beiden Geigenbauer sind Freunde. Das glauben sie jedenfalls. Noch scheinen die zahlreichen Affären von Maxime (André Dussollier) den introvertierten Stéphane (Daniel Auteuil) nicht zu stören. Doch die attraktive und kapriziöse Geigerin Camille (Emmanuelle Béart) bringt das eingespielte Duo aus dem Rhythmus. Stéphane nimmt sich der misstönenden Violine der Dame an, Maxime kümmert sich derweil um Körper und Seele — und entdeckt, offenbar zum erstenmal, die Macht der Liebe.

Regisseur Claude Sautet („Die Dinge des Lebens”), bislang im Kino als heiterer Kunsthandwerker für die Lebensbewältigung der französischen Bourgeoisie zustäendig, hat mit seinem „Herz im Winter” ein altersschwaches Konversationsstück vorgelegt — ein langatmig vergeigtes Trio in elegischen Bildern. Von Ravels feinnerviger Kammermusik untermalt, kultivieren die Musikliebhaber schier endlos ihre rhetorischen Rituale. Das Leben als Quasselei.

Sautets Lehrstück über die allmähliche Verfertigung der großen Gefühle beim Reden scheitert an seinen Figuren. Die werden nur als Wesen aus Worten zelebriert — wenn auch in großer Geste. Am Ende reagiert Stéphane wie ein düpierter Liebhaber. Still und heimlich schleicht er sich in die Zweierbeziehung ein, verunsichert die Violinistin mit dunklen Liebesbezeugungen — und verliert einen Freund.

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letzte Änderung: 18.07.2004