gif.gif (807 Byte) gif.gif (807 Byte) gif.gif (807 Byte)
gif.gif (807 Byte)

Berliner Zeitung, 25. Juli 2000

Rhythmus und Harmonie

Zum Tod des französischen "Schauspieler-Regisseurs" Claude Sautet

„Die Dinge des Lebens” (1970) waren sein Durchbruch - und brachten ihm den Ruf ein, nüchterner Analytiker in filmischen Herzensangelegenheiten zu sein, Soziologe mit klinischem Blick auf die französische Bourgeoisie. Mit Filmen wie "Das Mädchen und der Kommissar" (1971), "César und Rosalie" (1973) heftete man Claude Sautet übereifrig das Etikett eines großen Realisten an, in der Tradition eines Jean Renoir. Er selbst sagte dazu bereits 1970 ironisch: "Die Dauer eines Filmes beweist, dass es keinen Realismus gibt". Am Sonnabend ist Sautet im Alter von 76 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Anfangs arbeitete der am 23. Februar 1924 im Pariser Vorort Montrouge geborene Claude Sautet als Regieassistent und Musikkritiker. Sein erster Spielfilm, "Bonjour sourire" (1956), blieb unbeachtet, sein zweites Werk, "Der Panther wird gehetzt" (1960) mit Jean Paul Belmondo und Lino Ventura, war ein gut gemachter Actionfilm. Weil sich Sautet dabei als ein Regisseur erwies, der sein Handwerk versteht, wurde er in der Folgezeit ein viel gefragter "Drehbuchdoktor" - "Borsalino" von Jacques Deray etwa schrieb er um; lange Zeit der einzige Film, der Frankreichs Stars Alain Delon und Jean Paul Belmondo vereinte. "Männerfreundschaften" thematisierte Sautet auch in seinen eigenen Werken. Dabei besaß er die Fähigkeit, das Beste aus seinen männlichen wie weiblichen Darstellern herauszuholen und galt zu Recht als "Schauspieler-Regisseur". Fünf seiner insgesamt nur 14 Filme drehte Claude Sautet allein mit Romy Schneider, von "Die Dinge des Lebens" bis hin zu "Eine einfache Geschichte". An ihrer Seite standen je zweimal Michel Piccoli und Yves Montand, die zu Sautets Lieblingsakteuren gehörten.

Claude Sautet bemühte sich stets, die größtmöglichste Authentizität zu erreichen und setzte dabei auf einfach komponierte Bilder. Wie in den Szenen am Ess- oder Kaffeetisch in "Ein Herz im Winter": Die Gesichter von Emanuelle Béart, Daniel Auteuil und André Dussolier filmte Sautet in halbnahen Einstellungen, lange Dialogpassagen offenbaren die Gefühle von zwei ungleichen Geigenbauern, Maxime und Stéphane (Dussolier/Auteuil), und einer zerbrechlichen Musikerin, Camille (Béart). "Musik ist ein Traum" sagt der gefühlskalte Stéphane einmal und gibt vielleicht ein künstlerische Credo seines Regisseurs preis, der mit seinen Drehbüchern versuchte, den Rhythmus und die Harmonie von Musik zu erreichen. Dabei sprach Claude Sautet von einer unterirdischen Logik, die sich in jedem Filmstoff auszudrücken habe. Dass sie sich dem Zuschauer nicht sofort offenbart , kalkulierte er ein; seine Protagonisten lässt Sautet am Ende oft mit sich allein. So bleiben sie dem Betrachter länger im Kopf.

von Jörg Taszman
gif.gif (807 Byte)
gif.gif (807 Byte) gif.gif (807 Byte) gif.gif (807 Byte)
Zurück
herz@ein-herz-im-winter.de Copyright 1999–2003, Oliver Braun, Berlin
letzte Änderung: 17.08.2000