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dpa, 24. Juli 2000

Durchbruch mit "Die Dinge des Lebens"

Meisterregisseur Claude Sautet gestorben

Paris (dpa). Claude Sautet, einer der bedeutendsten französischen Nachkriegsregisseure, ist tot. Der Filmemacher, der mit Vorliebe die französische Bourgeoisie unter die Lupe nahm, starb am Samstag in Paris im Alter von 76 Jahren.

Wie sein Produzent, Alain Sarde, am Montag mitteilte, erlag Sautet einem Leberkrebnsleiden. Seinen internationalen Durchbruch schaffte Sautet 1969 mit dem Streifen "Die Dinge des Lebens" - in den Hauptrollen Romy Schneider und Michel Piccoli.

Sautet, der am 23. Februar 1924 in dem Pariser Vorort Montrouge geboren wurde, schuf in den letzten vier Jahrzehnten rund ein Dutzend Meisterwerke. In den letzten Jahren machte er vor allem durch "Ein Herz im Winter" (1992), ein musikalisches Kammerspiel um einen emotional verkümmerten Geigenbauer, von sich reden. Der Film wurde 1992 bei den Filmfestspielen in Venedig mit einem Silbernen Löwen bedacht und erhielt Anfang 1993 den Preis der französischen Filmkritik "Prix Mélies" sowie den César für den besten Regisseur.

Preisgekrönt wurde auch "Nelly und Monsieur Arnaud" (1995), ein einfühlsames Porträt über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer jungen arbeitslosen Frau (Emmanuelle Beart) und einem älteren Mann (Michel Serrault). In den letzten Jahren drehte er am liebsten mit Sandrine Bonnaire, Emmanuelle Beart und Daniel Auteuil.

In den 70er und 80er Jahren holte der schwer einzuordnende Perfektionist für seine poetisch-melancholischen, komischen und dramatischen Gesellschaftsfilme mit Vorliebe Romy Schneider, Yves Montand und Michel Piccoli vor die Kamera. "Das Mädchen und der Kommissar", "Cesar und Rosalie", "Mado" sowie "Eine einfache Geschichte" - 1980 mit einem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet - gehören zu den größten Erfolgen Romy Schneiders.

Verwirrte Gefühle und kleine Wechselfälle

Charakteristisch für Sautets Filme ist das Sichtbarmachen verwirrter Gefühle und die kleinen Wechselfälle, an denen sich die Wirklichkeit einer Existenz viel eher zeigt als an den Katastrophen. "Mich interessiert das Banale" erklärte Sautet einmal, von dem es heißt, keiner habe die französische Gesellschaft so genau analysiert wie er.

Die ersten Schritte in der Filmbranche wagte der Industriellen- Sohn - Sautet wollte eigentlich Maler werden - als Drehbuchautor für bekannte Regisseure. Er schrieb oder verbesserte die Bücher zu "Les Yeux sans Visage" (1960), "Peau de Banane" (1963, Regie Marcel Ophuls), "La Vie de Chateau" (1965, Regie Jean-Paul Rappeneau), "Le Voleur" (1967, Regie Louis Malle) und verschaffte sich wegen seiner akribischen Arbeitsweise in der Branche einen Namen als "Drehbuchdoktor".

"Mein Instinkt ist mein kostbarster Besitz, nur auf ihn kann ich mich verlassen", hatte Sautet einmal gesagt, um den es zuletzt stiller geworden war. In den letzten Jahren widmete er sich verstärkt dem Schreiben und war ein gern gesehener Gast bei Retrospektiven.

von Sabine Glaubitz, dpa
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letzte Änderung: 17.08.2000