Kölnische Rundschau
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Kölnische Rundschau, 25. Juli 2000

Die Dinge des Lebens

Zum Tode von Claude Sautet

Seine Domäne waren die "Dinge des Lebens", und so hieß auch der Film mit Michel Piccoli und Romy Schneider, mit dem Claude Sautet 1969 der internationale Durchbruch als Regisseur gelang; fortan zählte er zu den bedeutendsten Filmemachern seines Landes. Am Samstag ist Claude Sautet im Alter von 76 Jahren in Paris an Krebs gestorben.

"Mich interessiert das Banale", sagte Sautet einmal in einem Interview, spektakuläre Geschichten waren seine Sache nicht. Sautet war ein Meister der feinen Beobachtung, und die richtete er, vor allem in den 70-er und 80-er Jahren, auf die französische Bourgeoisie, den gehobenen Mittelstand.

Das Personal in seinen Filmen wie "Das Mädchen und der Kommissar" (1970), "Vincent, Fran‡ois, Paul... und die anderen" (1974), oder in späteren Arbeiten wie "Einige Tage mit mir" (1989) tut, was man gemeinhin tut: Es wird gegessen und getrunken, gelacht und gefeiert, man sieht sich in der Mittagspause im Bistro an der Ecke und am Wochenende im Grünen.

Größere Katastrophen ereilen sie nicht, die Helden des Alltags. Doch gerade Gefühle, Irritationen, die Reaktionen der Personen auf die Krisen und Wechselfälle des Lebens zeichnete Sautet mit einer Präzision und Eleganz, die die Wirklichkeit einer Existenz um so plastischer erscheinen lässt.

Auch das Bild seiner weniger sympathischen Figuren vermittelte Sautet mit einer gewissen Zärtlichkeit. Dass seine so schlicht wirkenden Filme nicht beliebig oder oberflächlich sind, verdanken sie nicht zuletzt der Begabung Sautets, seine Schauspieler zu führen.

Zu seinen bevorzugten Akteuren zählten in den 70-er und 80-er Jahren Yyes Montand, Michel Piccoli und vor allem Romy Schneider: "Cesar und Rosalie", "Mado" oder "Eine einfache Geschichte" - 1980 mit einem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet - gehören zu Schneiders größten Erfolgen.

Nach ihrem Tod fand der Regisseur in Sandrine Bonnaire und Emanuelle Bart wieder zwei Hauptdarstellerinnen, die dem beiläufigen Moment in seinen Geschichten große Intensität verliehen.

Sautet kam am 23. Februar 1924 als Sohn eines Industriellen in Montrouge bei Paris zur Welt. Sein Studium absolvierte er an der Pariser Filmhochschule. Die ersten Schritte in der Branche machte er als Drehbuchautor für bekannte Regisseure.

Er schrieb oder überarbeitete die Bücher zu "Peau de Banane" (1963, Regie Marcel Ophüls), "La Vie de Chateau" (1965, Regie Jean-Paul Rappeneau), "Le Voleur" (1967, Regie Louis Malle) und verschaffte sich wegen seiner akribischen Arbeitsweise sogar einen Namen als "Drehbuchdoktor".

Daneben arbeitete er als Regie-Assistent; 1951 drehte er seinen ersten Kurzfilm. Acht Jahre später gab er sein Spielfilmdebüt mit dem Gangsterfilm "Der Panther wird gehetzt" mit Lino Ventura in der Hauptrolle.

In fast vier Jahrzehnten schuf Claude Sautet rund ein Dutzend Meisterwerke. Zuletzt machte er vor allem durch "Ein Herz im Winter" (1992), ein entrücktes Kammerspiel um einen Geigenbauer, von sich reden.

Der Film wurde 1992 bei den Filmfestspielen in Venedig mit einem Silbernen Löwen bedacht und erhielt Anfang 1993 den Preis der französischen Filmkritik "Prix M‚lies" sowie den C‚sar für den besten Regisseur.

Preisgekrönt wurde auch "Nelly und Monsieur Arnaud" (1995), ein einfühlsames Porträt über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer jungen arbeitslosen Frau (Emmanuelle Bart) und einem älteren Mann (Michel Serrault) - ein Werk von großer, vielleicht altersweiser Gelassenheit.

"Je älter man wird, desto stärker reduziert man seine Effekte, desto weniger braucht man an Spektakulärem", sagte Sautet dazu, um den es in jüngster Zeit ruhiger geworden war.

von Brigitte Schmitz-Kunkel
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letzte Änderung: 17.08.2000