Leipziger Volkszeitung
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Leipziger Volkszeitung, 24. Juli 2000

Seine Wirklichkeit waren "Die Dinge des Lebens"

Der französische Filmregisseur Claude Sautet ist tot

Es war Liebe auf Gegenseitigkeit. Und die ganze (Kino-)Welt sah zu und applaudierte. Claude Sautet liebte Romy Schneider, Romy liebte Sautet. Er entdeckte sie und dabei: "Wenn ich mit ihr drehe, empfinde ich eine besondere Art von Kraft, eine Wärme, einen Lebenshunger, und das ist nützlich" Er hat sie zum Star gemacht, sie hat ihm vertraut wie wenigen. Romy starb 43-jährig 1982, jetzt folgte ihr der Filmemacher, mit 76 Jahren.

Er erlag, wie gestern bekannt wurde, am Sonnabend einem Krebsleiden. Und nicht nur der französische, nein, der europäische Film verlor einen der wichtigsten Nachkriegs-Regisseure. Seinen internationalen Durchbruch schaffte er '69 mit "Die Dinge des Lebens" in den Hauptrollen Romy Schneider und Michel Piccoli. Unglaublich sensibel inszenierte Sautet da wie in anderen Produktionen all die fast unerträglich innigen, nie sentimentalen, lichten und schrecklichen Bilder.

Am 23. Februar 1924 im Pariser Vorort Montrouge als Industriellen-Sohn mit künstlerischer Ambition geboren, schuf er in vier Jahrzehnten gut ein Dutzend Meisterwerke. In den letzten Jahren machte er vor allem mit "Ein Herz im Winter" ('92), musikalisches Kammerspiel um einen emotional verkümmerten Geigenbauer, von sich reden. Der Film erhielt bei den Festspielen Venedig einen Silber-Löwen und Anfang '93 den Preis der französischen Filmkritik "Prix Mélies" sowie den César für die beste Regie.

Während der schwer einzuordnende Perfektionist für seine poetisch-melancholischen, komisch-dramatischen Gesellschaftsfilme in den 70ern und 80ern am liebsten Schneider, Yves Montand und Piccoli vor die Kamera holte, drehte er zuletzt vornehmlich mit Sandrine Bonnaire, Emmanuelle Beart und Daniel Auteuil. Seinen Weg zeichnen Filme wie "Das Mädchen und der Kommissar", "Cesar und Rosalie", "Mado" sowie "Eine einfache Geschichte" ('80 mit einem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet). Sie gehören auch zu den größten Erfolgen der Schneider. Doch seine endeten nicht mit ihr, zuletzt wurde er '95 für "Nelly und Monsieur Arnaud", ein einfühlsames Porträt über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer jungen arbeitslosen Frau und einem älteren Mann, preisgekrönt.

Charakteristisch für Sautets Filme ist der Versuch, verwirrte Gefühle in den Wechselfällen des Alltags sichtbar zu machen. Also da, wo sich die Wirklichkeit einer Existenz viel eher zeigt als an Katastrophen. "Mich interessiert das Banale", erklärte der bescheidene Regisseur einmal. Man sagt von ihm, keiner habe die (französische) Gesellschaft so genau analysiert wie er.

Die ersten Schritte in der Filmbranche wagte er als Drehbuchautor für bekannte Regisseure wie Marcel Ophuls oder Louis Malle. "Mein Instinkt ist mein kostbarster Besitz", hat Sautet einmal gesagt. Als es stiller um ihn wurde, schrieb er wieder. Und war ein umworbener Gast bei Retrospektiven.

"Er ist von seinem Beruf bis zur totalen Erschöpfung begeistert", wusste Romy Schneider. Sie waren einander sehr ähnlich.

von Gisela Hoyer
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letzte Änderung: 17.08.2000