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sda - Schweizerische Depeschenagentur, 21. Februar 1994 um 08:33:00, bsd Basisdienst

„Bilder statt Erklärungen”: Claude Sautet wird 70

Porträt von Toni Bailly, DPA.

Ein Dutzend Filme, darunter Meisterwerke wie „Mado” oder „Die Dinge des Lebens” hat der französische Regisseur Claude Sautet in den letzten vier Jahrzehnten geschaffen. Der Perfektionist, den sein grosser Kollege François Truffaut einmal als den „französischsten” Regisseur seines Landes bezeichnet hatte, wird am Mittwoch 70 Jahre alt.

„Ich wollte von Anfang an Erklärungen durch Bilder ersetzen”, sagte Sautet. In seinem bisher letzten Film „Ein Herz im Winter”, der 1992 in Venedig einen „Silbernen Löwen” erhielt, stilisierte er eine Dreiecksgeschichte über die Unfähigkeit zu lieben bis zur Abstraktion. „Die Stilisierung rettet das Kino, ohne sie ist die Reality-Show stärker”, lautet die Bilanz des Regisseurs.

Arbeit mit Star-Schauspielern

Spaziergänge und Autofahrten auf dem Land, strömender Regen oder Cafés in den Vorstädten von Paris sind Bilder, die unwillkürlich wieder auftauchen, wenn man an seine Filme denkt. In den 70er und 80er Jahren holte Sautet für seine poetisch-melancholischen, tragikomischen Filme, in denen er die französische Gesellschaft durchleuchtete, Darsteller wie Romy Schneider, Yves Montand und Michel Piccoli vor die Kamera.

„Das Mädchen und der Kommissar”, „César und Rosalie”, „Mado” sowie „Eine einfache Geschichte” – 1980 mit dem „Oscar” des besten ausländischen Films bedacht – gehörten zu Romy Schneiders besten Leistungen, mit denen sie ihr „Sissi”-Image abschüttelte. Sautet, selbsterklärter „Feind der Psychologie”, verstand es meisterhaft, einen Blick, eine Geste, das Nicht-Ausgesprochene auf die Leinwand zu bannen. Ein Feuerwerk der Gefühle oder spektakuläre Regieeffekte waren seine Sache nie. Die unnachahmliche Atmosphäre seiner Werke entstand zumeist im Studio.

Durchbruch kam mit „Die Dinge des Lebens”

Erste Erfolge hatte der 1924 in Montrouge bei Paris geborene Industriellen-Sohn, dessen künstlerische Begabung von der Mutter gefördert wurde, als Drehbuchautor von Regisseuren wie Marcel Ophuls, Louis Malle und Philippe de Broca. Lino Ventura machte ihm Mut, bei dem Gangsterfilm „Der Panther wird gehetzt” 1960 selbst Regie zu führen. Der internationale Durchbruch kam 1969 mit „Die Dinge des Lebens”.

Mit „Das Mädchen und der Kommissar”, den Sautet als seinen Lieblingsfilm bezeichnet, kehrte er 1970 vorübergehend zum Krimi zurück. Der Grund: Der Komissar (Piccoli) „war der negative Verführer, mit dem ich mich teilweise identifizierte”. Der Kassenschlager „Vincent, François, Paul und die anderen” (1974), eines seiner berühmtesten Gruppen-Porträts, wurde nach Sautet falsch interpretiert. Der Film handle nicht von Freundschaft, sondern im Gegenteil vom Egoismus, von nur vermeintlicher menschlicher Wärme. Warum Sautet mit Vorliebe Gaststätten wie in „Kollege kommt gleich” (mit Yves Montand) als Schauplatz wählte? Die Antwort: „Es sind falsche, Sicherheit gebende Aquarien, in denen man besser die Einsamkeit und das sich Gehenlassen erkennt.” Und ist es Bedauern, wenn er schliesslich über „Ein Herz im Winter” sagt: „Im Grunde habe ich diesen Film gedreht, um mich bei netten Menschen dafür zu entschuldigen, sie nicht genügend geliebt zu haben.”

Paris, 21. Feb. (sda/dpa)
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letzte Änderung: 17.08.2000