Türinger Allgemeine
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Thüringer Allgemeine, 25. Juli 2000

Claude Sautet:
Einfach leben

Es ist das Woodstock-Jahr, in dem sie Liebe machen auf Wiesen und denken, das ist die Revolution. Es ist das „Easy Rider”-Jahr, in dem sie Motorrad fahren und denken, das ist die Freiheit. Es ist das Jahr, in dem Claude Sautet nachdenkt über „Die Dinge des Lebens” und denkt, die würden die Menschen immer bewegen, über allen Zeitgeist hinweg. Es ist das Jahr 1969 und es ist der Film, der den fortwirkenden Ruhm der Schauspielerin Romy Schneider begründet und den des Regisseurs Claude Sautet. Jetzt ist er gestorben, 76 Jahre alt.

Es folgten noch andere berühmte Filme, „Das Mächen und der Kommissar” zum Beispiel, doch kaum je verriet er den programmatischen Auftakt. Lauter einfache Dinge und Räume. Cafés, Restaurants, Telefonzellen, Autos im geordneten Straßenverkehr. Essen, trinken, telefonieren, rauchen. Und Sautet wuchtet diese Banalitäten auf die Höhe der Kunst, auf die Höhe der kleinen, bürgerlichen Dramen. Etüden über das bürgerliche Heldenleben.

„Nelly und Monsieur Arnaud”, das wunderbare Alterswerk von 1995. Einmal sitzt der alte Mann am Bett der jungen Frau, seine Hand ganz nah, so nah es geht, ohne sie zu berühren. Dann dreht sie sich herum — hat er sie berührt, hat er es nicht? So eine Frage kann spannender sein als kopulierende Heerscharen auf grünen Wiesen.

von Peter Baran
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letzte Änderung: 17.08.2000