Wiesbadener Kurier
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Wiesbadener Kurier, 20. Februar 1999 (Feuilleton)

Ein virtuoser Chronist eigenwilliger Charaktere

Französischer Filmregisseur Claude Sautet wird 75 / Schlichte, kunstvoll erzählte Vorlagen / Bedeutende Alterswerke

Claude Sautet ist der glänzende Beweis dafür, daß manche Künstler im Alter immer besser werden. Seine Spätwerke „Ein Herz im Winter” und „Nelly & Monsieur Arnaud”, beide mit der wunderbaren Emmanuelle Béart in der Hauptrolle, gehören zum Schönsten, was der französische und europäische Film in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Sautet, der am 23. Februar 75 Jahre alt wird, zeigte dabei, wie schlichte, wenngleich raffinierte Geschichten einfach, wenngleich kunstvoll erzählt werden können.

Der Franzose rührt die Zuschauer nicht mit vordergründigen Effekten an, sondern der subtilen Entfaltung von Charakteren, ihren Konflikten und Hoffnungen. „Mich interessiert das Banale”, hat der Regisseur selbst über seine Arbeiten gesagt. Diese kreisen mit Vorliebe um die kleinen und großen Leiden und Freude der Menschen. Fast programmatisch war der Titel seines großen Erfolgs und internationalen Durchbruchs vor 30 Jahren, „Die Dinge des Lebens”.

Damals hatte Sautet bereits eine lange Filmkarriere hinter sich, die 1946 an der Pariser Filmhochschule begann und schließlich zu ersten großen Erfolgen als Drehbuchautor für Marcel Ophüls und Louis Malle führte. 1961, zeitgleich mit Jean-Luc Godards modernem Klassiker „Außer Atem”, brachte Sautet den ersten von ihm selbst inszenierten Film in die Pariser Kinos: „Der Panther wird gehetzt”, ein Gangsterfilm mit Lino Ventura und dem jungen Jean-Paul Belmondo in den Hauptrollen.

Ein Klassenkämpfer und Weltverbesserer auf der Leinwand war der Franzose nie. Das trug ihm Kritikerschimpf ein, der unverbesserliche Bourgeois auf dem Regiestuhl zu sein. Wer seine letzten Filme, darunter auch das kleine Juwel „Einige Tage mit mir” aus dem Jahr 1988, gesehen hat, wird ganz anderer Meinung sein. Denn Sautet ist ein virtuoser Chronist eigenwilliger Charaktere, dessen Meisterschaft im Alter dem Publikum hoffentlich noch manche Kinostunde der besonderen Art schenken wird.

von Wolfgang Hübner
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letzte Änderung: 17.08.2000